Resolution des Frankoromanistenverbandes zur Intensivierung der Deutsch-Französischen Beziehungen

Vom 19. bis 22. September 2012 fand in Leipzig der 8. Kongress des Frankoromanistenverbands statt. In der Mitgliederversammlung am 20. September wurde die folgende Resolution verabschiedet:

Der deutsche Frankoromanistenverband betrachtet mit großer Sorge das schwindende Interesse an französischer Sprache und Kultur in Deutschland. Politische Vision und Realität klaffen hier immer mehr auseinander. Anlässlich des 50. Jubiläums des Elysee-Vertrags erinnern wir die Politik – insbesondere die Verantwortlichen im Bildungsbereich – nachdrücklich an die noch immer ausstehende Verwirklichung der großen politischen Vision von Adenauer und De Gaulle.

In diesem Jahr blicken wir auf das fünfzigjährige Bestehen des Elysée-Vertrags voraus, der die deutsch-französische Freundschaft dauerhaft begründet hat. Am 9. September jährte sich zum fünfzigsten Mal die visionäre Rede, die Charles de Gaulle in Ludwigsburg an die deutsche Jugend hielt. Die deutsche Frankoromanistik sieht sich in dieser Tradition. Wir sind die Vermittler und Übersetzer der französischen Sprache, Literatur und Kultur in Deutschland. Wir versuchen, die zukünftigen Lehrer und Lehrerinnen für das Fach Französisch in seiner ganzen Breite zu begeistern und ihnen eine ausgezeichnete Ausbildung zu vermitteln. Wir bedanken uns ausdrücklich für die Anerkennung und Unterstützung, die der französische Botschafter, Maurice Gourdault-Montagne, anlässlich der Eröffnung unseres Kongresses am 19.09.2012 dem Verband zum Ausdruck gebracht hat.

Der deutsch-französische Ministerrat formulierte im Februar 2010 eine bis 2020 zu verwirklichende höchst konkrete Zielsetzung: „Die Anzahl zweisprachiger Hochschulkurse muss bis 2020 verdoppelt werden, die Anzahl der Studenten, Doktoranden und jungen Forscher, die in von der Deutsch-Französischen Hochschule geförderten Programmen arbeiten, muss sich bis 2020 verdoppeln, bis 2020 müssen mindestens 200 zweisprachige deutsch-französische Kindertagesstätten eingerichtet werden. Wir möchten, dass bis 2020 jeder zweite deutsche und jeder zweite französische Schüler einer weiterführenden Schule das jeweils andere Land zumindest ein Mal besucht hat, das Erlernen der Sprache des Partnerlands muss angeregt und gefördert und eine engere Verbindung beider Bildungssysteme angestrebt werden (z.B. bei Schulbüchern, Lehrplänen und Zeugnissen sowie dem Austausch von Lehrern und hohen Beamten).“

Trotz aller Bemühungen hat die im Elysée-Vertrag festgeschriebene und vom deutsch-französischen Ministerrat in der Agenda 2020 bekräftigte Absicht, die Kenntnis der Sprache des Nachbarn entschieden zu fördern und so die Grundlage eines vertieften Verständnisses zwischen den beiden Kulturen zu legen, bisher nicht zu dem erhofften Erfolg geführt. Ja, die Kenntnis von Sprache und Kultur des Nachbarlandes nimmt unter dem Druck der Globalisierung immer weiter ab. So werden in Deutschland immer weniger Französischlehrer eingestellt. Auch kommen immer weniger Leistungskurse zustande, weil das Fach Französisch mehrheitlich entweder gar nicht gewählt oder schon zu früh wieder abgewählt wird. Romanische Seminare werden an den Universitäten geschlossen, Professuren für Französisch gestrichen. Dieser Trend muss umgekehrt werden. Es bedarf auf deutscher Seite einer dezidierten Anstrengung von Ministerien, Universitäten und Schulen, um unser kulturell, wirtschaftlich und politisch so wichtiges Fach mit allen Mitteln zu fördern. Denn Wohl und Wehe Europas hängt von der glücklichen Verbindung von Frankreich und Deutschland ab. Wir appellieren daher – wie unsere Kollegen und Kolleginnen in ihrem Appel Pour un renouveau dans les rapports franco-allemands in LE MONDE vom 28. Juni 2012 – an alle entscheidenden Instanzen, mit dem 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages einen neuen Anfang zu setzen und den deutsch-französischen Beziehungen das Gewicht zu geben, das ihnen zukommt.